Am nächsten Tag passiert dann das, was manchmal passiert und mich immer staunen lässt. Da das Wetter hamburgisch ist und außerdem Flohmarkt auf dem Bert-Kaempfert-Platz, haben wir im Museum der Arbeit gearbeitet.
Und alle, außnahmslos alle, haben die Quälerei von gestern (die ich vielleicht etwas zu pessimistisch und fatalistisch beschrieb, entschuldigung) hinter sich gelassen und man sieht Innenraumdarstellungen, die zwar noch kleine Fehler aufweisen (aber welche Innendarstellung weist keine kleinen Fehler auf?) aber doch aus der Beobachtung richtig sind, gesehen richtig und nicht gedacht richtig.
Es war wirklich erstaunlich und schön zu sehen.
Und dann wurde ich übermütig. Dann, nach der Pause (einige mussten schon früher gehen, vielleicht flüchten) verkündete ich, nun würden wir Treppen zeichnen.
Es gibt nichts fieseres als Treppen. Ich dachte, man muss alles mal gemacht haben und so... Und dann haben wir gemacht.
Das Problem bei Treppen ist, dass unheimlich viele Kanten und Linien minimal nicht parallel zu sehen sind (sie fluchten halt auf einen Fluchtpunkt). Wenn man das aber ignoriert und schön alles parallel und so, mit Gartenzwerg, dann wird alles schief.
Es war wirklich schwer. Und sie haben es auch alle geschafft. Aber es war wirklich eine Quälerei und ich möchte mich dafür entschuldigen, das war nicht nötig.
Insgesamt aber war das erstaunlich zu beobachten, was man in zwei Tagen sich an Wissen und Fähigkeiten aneignen und anwenden kann.
Ich staune darüber immer wieder. Ich habe oft das Gefühl, die Leute zu überfordern. Und es fühlt sich für die Leute wahrscheinlich auch so an.
Aber sie schaffen es.
Hochachtung. Hochachtung. Hochachtung.
2010-05-31
Zweite Perspektive.
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gerd
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Labels: Zeichnung
2010-05-29
Perspektive.
Da sind dann Leute, die wissen wollen, wie der Trick geht, dass man perspektivisch korrekte Zeichnungen machen kann. Hobbymalerinnen sind darunter, aber auch Bauzeichner, Architekten (nein, Architektinnen, nein, Bauzeichnerinnen). Und ich sage, fangt einfach mal an. Da sind Gebäude, zeichnet die mal.
Eine leichte Enttäuschung, die ins Rebellische färbt, ist deutlich spürbar. Aber sie machen, denn sie sind gekommen, um was zu lernen.
Ich erkläre jedem Einzelnen, jeder Einzelnen je nach Bedarf einzelne Regeln aus der Perspetivlehre Piero della Franchescas.
Aha! Eifrig wird nun begonnen, nach diesen Regeln zu zeichnen. Mit voller Kraft. Mit voller Kraft an die Wand. Denn mit Regeln kann man Regeln zeichnen, nicht die Wirklichkeit. Der kurze Flirt mit der abstrakten Perfektion des Regelwerks wird wehmütig beendet.
Es ist immer so. Es kann nicht anders sein. Es muss so.
Nun, mit den Regeln begraben im Unterbewusstsein, wird endlich geschaut, die Wirklichkeit angeschaut. Längen, Winkel, Verhältnisse zueinander, die Realität halt.
Die Zeichnungen erwachen zum Leben, laufen wie ein Kleinkind, noch ungeschickt, aber sie laufen.
Ich bin der einzige, der sich darüber freut.
Perfektion wäre so viel schöner gewesen. Jaja, man lernt ja noch, jaja, er wirkt viel lebendiger, jaja, Übung Übung Übungübungübung.
Es geht nicht anders. Man muss durch Scheiße waten, um an Land zu kommen.
Zeichnen ist Realität verstehen. Versuchen.
Im Rückblick macht es meistens Sinn.
Wie im Leben.
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gerd
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17:59
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Labels: Zeichnung
2010-05-28
Wie nennt man sowas.
Wenn man sich nicht für vier Minuten konzentrieren kann, wenn man um halb zwei einen kleinen Mittagsschlaf machen will, und um halb fünf wieder aufwacht, nein, nicht aufwacht, nur irgendwie nicht mehr schläft, wenn man wichtige und unwichtige Sachen vor sich her schiebt, und dabei immer mehr die Fähigkeit verliert, die beiden zu unterscheiden, und wenn man keinen Appetit hat und trotzdem so vor sich hin Nahrungsmittel verbraucht,
wie nennt man sowas. Wie nennt man sowas.
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gerd
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18:24
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Labels: gesundheit
2010-05-25
Dunkelmuseum.

Matratzen waren die Wände und das Dach. Abgedichtet wurde mit Decken und Kissen. Sauwarm wars da drin. Ich und die Kleine mussten die Dinge, die sie darin versteckt hatten, finden, fühlen und sagen was das ist. Ich hab sogar den Luftballon, den sie an die Decke geklemmt haben, gefunden.
Ich hatte alles richtig. Hab viel Lob dafür bekommen.
Ich liebe sie alle. Ich liebe sie alle. Ich liebe sie alle. Ich liebe sie alle. Ich liebe sie alle. Ich liebe sie alle. Ich liebe sie alle. Ich liebe sie alle. Ich liebe sie alle. Ich liebe sie alle. Ich liebe sie alle. Ich liebe sie alle. Ich liebe sie alle. Ich liebe sie alle. Ich liebe sie alle. Ich liebe sie alle. Ich liebe sie alle. Ich liebe sie alle.
Ich liebe sie alle.
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gerd
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12:08
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Labels: kinder
2010-05-17
Wichtige Fragen.
Was mir immer mehr gefällt: Zu beobachten, dass Kunst, die sich um Fragen, vielleicht sogar wichtige Fragen dreht, den Kollaps von Markt ziemlich ungerührt an sich vorrüber gehen lassen wird.
Es. Geht. Nicht. Um. Markt.
Es. Geht. Nicht. Um. Geld.
NICHT.
Update:
Ich glaube, es geht noch nicht mal um die neue Währung Aufmerksamkeit. Die ist, genau wie Geld ein Kollateralbonus, wenn man seine Arbeit gut macht, oder dies zumindest überzeugend versucht.
Wie macht man seine Arbeit gut?
Mein derzeitiger Forschungsstand: Wahrheit und Liebe ausbalancieren.
Und man startet entweder bei liebloser Wahrheit oder liebevoller Lüge.
Still a long way to go.
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gerd
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19:26
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2010-05-11
Alles uns Nichts.
"Du meinst, plötzlich entsteht aus dem totalen NICHTS, verursacht durch NICHTS, mit Hilfe von NICHTS, für und wegen NICHTS, um dann wieder NICHTS zu sein, das ALLES hier? Ich meine ALLES??"
"Ja."
"Dazu fehlt mir der Glaube. Das kann nicht sein. Vor allem: Dazu ist zu viel Liebe hier."
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gerd
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09:32
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2010-05-10
Auf dem Klo der Kunstakademie.
Neben all den Angeboten körperlicher Rührung samt Handynummer, den filzstiftenen Unhöflichkeiten, den verzweifelt wütenden Darstellungen primärer und sekundärer weiblicher Geschlechtsmerkmale der Satz:
"Ich sehe, ihr sucht auch Freunde."
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gerd
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07:50
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Labels: literatur