"Glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?"
"Ja, das gibt es. Unser Leben hier ist nur dazu gedacht, dass wir wachsen und uns auf das Leben nach der Geburt vorbereiten, damit wir stark genug sind für das was uns erwartet."
"Ach geh, das gibt es doch nicht. Wie soll denn das überhaupt aussehen, ein Leben nach der Geburt?"
"Das weiß ich auch nicht genau. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen?"
"So ein Unsinn! Herumlaufen, das geht doch gar nicht. Wo überhaupt? Und mit dem Mund essen, so eine komische Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Außerdem geht das Herumlaufen gar nicht, die Nabelschnur ist ja jetzt schon viel zu kurz".
"Doch es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders."
"Es ist noch nie einer zurückgekommen von 'nach der Geburt'. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Und das Leben ist eine Quälerei und dunkel."
"Auch wenn ich nicht so genau weiß, wie das Leben nach der Geburt aussieht, jedenfalls werden wir dann unsere Mutter sehen und sie wird für uns sorgen."
"Mutter? Du glaubst an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?"
"Na hier, überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie können wir gar nicht sein!"
"Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht."
"Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt...."
(Von Henry Nouwen.)
2011-03-28
Zwillinge in der Gebärmutter unterhalten sich.
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gerdbrunzema
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Labels: philosophie, theologie
2011-03-25
Fußball.
Da liegen sie nun und schlafen. Die Last auf ihnen taucht immer nur in kleinen versehentlichen Nebensätzen auf. Und ich bin manchmal froh wie wenig ich mitkriege.
Denn es ist sehr traurig, wenn man dem Geschehen mitten ins stolze harte Gesicht schaut. Und zwar auch, weil es stolz und hart zu machen sucht und nicht völlig erfolglos damit ist.
Morgen ist Fußball. Sie ist Stammspielerin. Mittelfeld. Sie ist gut.
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gerdbrunzema
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23:00
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2011-03-19
Junger Mensch.
Ich stelle mir einen jungen Menschen vor.
Er entdeckt seine Möglichkeiten, besäuft sich an seinen Träumen und macht grandiose Fehler,
lernt,
lacht
und ist Wut.
Und dann tritt er einer politischen Jugendorganisation bei.
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gerdbrunzema
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00:33
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2011-03-10
Wer es aus der Natur kann reißen, der hats.
Leute, der Plan ist folgender.
Ich zeichne was (von in echt und nicht von Fotos, das hab ich etwas zu viel gemacht, will ich grad nicht mehr).
Auf einem maximal A4renen Blatt. Dann kommt das in eine Klarsichthülle, welche ein folienschreibernes 10mm-Raster trägt.
Dann kommt ein 700x500-Bristolkarton mit einem bleistiftenem Raster (ich hör ja schon auf). Auf den übertrage ich die spontane Zeichnung in einen gefrorenen Gedankenzustand. Mit Aquarellfarbe.
Warum?
Weiß ich nicht genau. Soviel weiß ich: Eine mir sehr wichtige Erkenntnis gerade ist, dass alles lebendige immer spontane Improvisation an einem Skelett von Konzept ist. Und ich meine nicht Kunst oder Malen oder Zeichnen, sondern alles.
Und ich möchte das an einem Arbeitsprozess, den ich mir gebastelt habe (siehe oben) durchdeklinieren.
Und ich mag zeichnen.
Und ich mag Aquarell, und es geht mir unheimlich auf die Nerven. Aquarell ist die einzige Zicke, die ich auf Dauer aushalte, bisher.
Und ich mag überhaupt nicht rastern und möchte das als disziplinierenden Widerstand haben.
Und mir ist sympathisch, dass ich nicht in der Lage bin, die Ergebnisse ins Netz zu stellen, weil der Bristolkarton zu groß für meinen Scanner ist und ich keine Digitalknipse (mehr) habe. Ich bin etwas genervt vom ins Netz stellen, grad.
Und die Überschrift ist ein Zitat von Albrecht Dürer. Man bemerke bitte die doppelte Bedeutung von "reißen".
Dankeschön.
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gerdbrunzema
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17:53
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2011-03-06
Kwesi.
Zu Linton Kwesi Johnson muss ich euch eine Geschichte erzählen. In der Alten Post, einem Jugendzentrum in meiner Heimatstadt Emden, das vorher mal eine Post war (das war damals, Anfang der 80er, ein richtig cooler Gag, eine Kultureinrichtung nach seiner Vornutzung zu benennen) war ein Konzert von einer Band namens Chi Kale aus Afrika, die sehr wunderbar gespielt hat. Ich war dort, denn dort war das Mädchen, in das ich damals verliebt war. Die war genauso autistisch wie ich und hatte ein Lachen, das ich bis heute nicht vergessen habe. Und schöne Augen hatte sie. Sie spielte sehr unbegabt Geige und ihre Eltern wähnten sich in der lokalen Oberschicht, was vermutlich nicht ganz falsch und nicht ganz richtig war.
Diese Band nun spielte Linton Kwesi Johnson und ich war vielleicht einer von drei oder zehn Leuten in Emden, die den kannten und ich war stolz auf meine Zugehörigkeit zur Oberschicht der Alten Post. Nun muss man dazu sagen, das Linton Kwesi Johnson nicht einer dieser dummgekifften Reggae-Dumpfbacken war, sondern der hatte Texte, die wirklich Texte waren. Es war eine unheimlich poetische Kraft in seinem Zorn. (So jetzt, so im Rückblick, klingt das sehr merkwürdig, ich weiß. Kannichauchnixfür)
Linton Kwesi Johnson war einer der Figuren, die meine Vorstellung von Poesie definiert haben.
Ich war lebensgefährlich in dieses Mädchen verliebt und war nie mit ihr zusammen. Es war die zweitbeste Zeit meines Lebens. Es war die zweitschlimmste Zeit meines Lebens.
Inspiriert von @jbrunotte
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gerdbrunzema
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23:42
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2011-03-05
Seitenschiff.
Stilgeschichte steht im Lehrplan. Das muss sein, und ich brachte mein Romanikbuch mit und erklärte ihnen, wo das herkam mit den römischen Basiliken, die Markthalle und Tempel waren, wie die ersten Kirchen, dass man keine Fenster- und Türenstürze mauern konnte, weil das Material zu schwer war und einstürzte und man daher die geniale Erfindung des romanischen Rundbogens heranzog um Häuser zu durchlöchern, dass sie mit Granitfelsen gemauert haben, jahrzehntelang, dass der Baumeister, der noch Architekt und Bauing und Behörde war, NIEMALS, niemalsniemalsniemals das Ende seiner Baustelle sah, denn die hatte eine weit höhere Lebenserwartung als er.
Müde Gesichter. Man muss das verstehen. Eine romanisch-gotische Haltung zu verstehen, nachzuvollziehen ist für die jungen Leute von heute fast nicht zu bewältigen. iPhone.
Ich lehrte sie Apsis, Chor, Vierung, Seitenschiff, Kreuzgang und all die anderen Vokabeln.
Und dann erwähnte ich, dass wir eine Mauer mit romanischem Rundbogen bauen werden. Eine müde, um Ironie bemühte Frage, wo das denn geschehen sollte.
Im "Schülerbistro".
Und das machen wir jetzt. Nach den Ferien kommt der Rundbogen. Dann der Putz. Dann die Malerei.
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gerdbrunzema
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