2007-11-19

Wut oder Angst

"Wut macht nicht subtil"
Hans Peter Kunisch

Es gibt ja die These, das man nur lernt, was emotional greifbar ist: Nix Gefuhl, nix behalte.

Ich glaube, dass das richtig ist.

Ich halte mich für einen im ausreichenden Maße rationalen Menschen. Die (also ich) neigen dazu, der Ratio eine Exklusivlizenz zur Navigation in dieser Welt in den Rachen zu schieben. Womit das Verhältnis zur Vernunft immer in der Gefahr schwebt, quasireligiös (d.h. heilsbringend, oder zumindest problemlösend) zu sein oder zu werden. Was natürlich sehr unvernünftig ist. So, als wäre das Ignorieren von Irrationalität ein Ausweis von Realismus.

Ich glaube, dass Gefühl der Transmissionsriemen für die Zahnräder des Verstandes ist.

Wie kam ich jetzt da drauf. Ach ja.

Ich denke, zur Zeit kann man nur Furcht und Wut haben.
Wenn man dass so sieht.
Da überall (Jeder möge das im Kopf auf die entsprechenden Baustellen verlinken).

Und wenn man sich also (künstlerisch) authentisch und relevant äußern will, das muss das formuliert werden. Mit Wut und Angst.


Und die machen nicht subtil.

Edith: Öhm. Deswegen.

Kommentare:

Dings hat gesagt…

Es gibt da immer dieses Wechselspiel:
auf der einen Seite den Terror der Authentizität, des Gefühls, des unmittelbar Subjektiven, auf der anderen Seite die Blutarmut der Vernunft. "Reason is and ought to be the slave of the passions" (David Hume).
Auf die Balance kommt es an. Eine subtile Sache. Nichts für die, die das Kind mit dem Bade ausschütten, die nicht differenzieren.

gerd hat gesagt…

In der Sichtweise (die ich gut bei mir kenne) ist ja die Vernunft ja nun gerade nicht Sklave der Leidenschaft (was hat man früher schön formuliert!).
Wenn ich mich in aller Ruhe um meine Balance kümmern kann, dann sitz ja wohl die Vernuft sehr sicher angeschnallt am Steuer.

Und ich glaube das das Falsch ist. Das Unterbewusssein ist ein sehr präziser Rechner. Man muss ihm nur Zeit lassen (das berühmte "drüber schlafen"). Das kommen klare Antworten auf komplexe Zusammenhänge.
Deshalb, denke ich, sollte man sehr kritisch über die Möglichkkeiten (und Anwendungsgebiete!) des Verstandes nachdenken, ohne gleich in platten (und gefährlichen) Irrationalismus zu verfallen.
Die Instrumente ihren Möglichkeiten gemäß anwenden.
That's the problem.

Und nicht, das ich etwa das im Griff hätte!

Und wenn es dann noch um kreative Angelegenheiten geht, ist der Verstand eigentlich immer ein Instrument ex post. Analyse, wenn der Nebel sich verzogen hat.

Ich glaube, raus kommt man aus dieser Erwachsenenfalle nur durch massives Kindisch/Kindlich-sein.