2011-11-28

Das Dunkel hell.


Ja. Es macht das Dunkel hell. Ja.





Soon and very soon

Text & Music: Andrae Crouch
Soon and very soon we are going to see the King.
Soon and very soon we are going to see the King.
Soon and very soon we are going to see the King.
Hallelujah, hallelujah, we're going to see the King!
No more crying there, we are going to see the King.
No more crying there, we are going to see the King.
No more crying there, we are going to see the King.
Hallelujah, hallelujah, we're going to see the King!
No more dying there, we are going to see the King.
No more dying there, we are going to see the King.
No more dying there, we are going to see the King.
Hallelujah, hallelujah, we're going to see the King!
Should there be any rivers we must cross,
should there be any mountains we must climb,
God will supply all the strength that we need,
Give us grace 'til we reach the other side.
We have come from every nation.
God knows each of us by name.
Jesus took his blood and he washed my sins away.
Yes! There are some of us, who have layed down their lives.
But we all shall live again on the other side.

2011-11-27

Schweizer Nationalflagge.

Ich habe einen Nachbarn drei Türen weiter. Er grüßt immer freundlich. Sieht aus wie diese Leute mit Schlips und Aktenkoffer. Deutlich jünger als ich. Häufig mit einer Sporttasche unterwegs. Die Freundlichkeit von jemandem, der Karriere machen will. High potential nennt man das wohl. Wechselnde Freundinnen, glaub ich. Er hat eine Fußmatte vor seiner Tür in Form und Farbe der Nationalflagge der Schweiz. Ich habe noch nicht darüber nachgedacht.

Gestern Abend gegen 21 Uhr hörte ich eine Frauenstimme lang anhaltend sehr laut schreien.

Auf dem Flur war es kaum zu ertragen. Ich rief zwei mal ziemlich dumm HALLO!!

Türknallen. Rumpelnde Geräusche. Türknallen.

Eine Männerstimme, die mir heute noch nachhallt, sehr seltsam verzerrt, schreit was von Messer, Psychiatrie und "Du willst mich ermorden".

Ich rief die Polizei. Man muss wissen, dass ich für die Polizei ziemlich blöd zu erreichen wohne. Aber sie waren schnell.

Ich weiß nicht, was dann passierte. Als sie kamen, war es sehr stille.

Und so ist es bis jetzt.


Ich werde wohl nicht erfahren, was dort passiert ist oder beinahe passiert ist. Ich wills auch nicht wissen. Wirklich nicht.

Wenn man mal die ganzen schönen Lügen beiseite wischt, das ist das hier auf diesem Planeten ein ziemlich übler Ort.

Nun seid Ihr wohl gerochen.

Johann Sebastian Bach ist ein nicht unwesentliches Argument dafür, dass es einen paradiesischen Himmel geben muss...


Und der Güttler Ludi ist einfach nicht von dieser Welt.

Was.

Ist.

Das.

Wunderbar.



via @alles_b

2011-11-25

Stationen.

Brüder, Schwestern! Es gibt Momente, Zeiten, da muss man Entscheidungen Treffen, die biographisch anstehen. Lebenslaufstationen, die für jeden Menschen zu der gesetzten Zeit vor der Tür stehen und nicht weggehen.

So eine Zeit habe ich jetzt nicht.

Und dennoch. Genauso fühlt es sich an.

2011-11-09

Theo.

Ich hab ihr voll ins Gesicht geschlagen, deswegen brauch ich jetzt einen Verband, sagte sie und hielt mir ihre Hand hin. Unverdächtig sah die aus, die Hand. Theo heiße ich und komme aus Mikronesien, ich bin hierher entführt worden, und ich hab ihr darum voll ins Gesicht geschlagen, was is jetzt nun mit dem Verband? Mit mir sprach eine, äh, nicht dünne Frau, die ihren gesamten Besitz auf einem Fahrrad transportierte. Ihre Hand war ein bisschen geschwollen. Wie sie denn zu dem Namen Theo gekommen sei, ich kann einen Pass zeigen, ich kann einen Pass zeigen, es ist wirklich wahr, keiner glaubt mir das auch die Behörde nicht, darum wollen die mir kein Geld geben auf dem Amt, in Mikronesien reden die französisch und meine Sprache ist Französisch. Auf einer kleinen Plastikkarte ist ein Junge mit kurzen Haaren zu sehen, der augenscheinlich Theo heißt. Aha. Und aus Mikronesien, ja, aus Mikronesien, das ist im Ozean in der Nähe von Australien. Wie sie denn hierhergekommen, ich bin entführt worden von dieser fiesen Sau, ich hab der voll ins Gesicht gehauen. Und wie sie denn nach Deutschland, mit dem Frachter, mit dem Frachter, ja, da fahren immer Frachter, die kommen nach Hamburg, damit hat sie mich hier her entführt, die Schlampe, meine Hand tut immer noch weh. Nein, das war nicht teuer, die Frachter sind nicht teuer, die brauchen ja kein Strom, die haben ja Segel und fahren ganz billig.

Sie lebt in den Grünflächen an der Alster in der Nähe des amerikanischen Konsolats (da ist es sicher, die haben Gewehre).


Ich komm gut mit ihr aus.

2011-11-05

Staub.

Da ich gerade mein Leben aufräume finde ich lauter Sachen von lange her und freue mich durch den Staub hindurch. Ich habe meine Russisch-Sachen wieder ausgegraben und werde das wieder aufwärmen. Ich habe meinen ganzen Papierstau abgearbeitet und habe jetzt soetwas wie ein Papierverarbeitungssystem. Ich habe ganz viele Mails gelöscht.
Man könnte meinen, ich werde plötzlich ordentlich. Das glaube ich noch nicht. Noch nicht.


Ach, ich freu mich gerade über die unvermittelte Energie, mit der ich plötzlich die vergangenen Jahre entstaube.

Ich werde mir einen Staubsauger kaufen müssen...

HA!!!

Und ich habe zwei sehr schöne Wasserschalen für Aquarell.

2011-11-01

A.

A. war immer betrunken und fröhlich.

Er roch wie Obdachlose halt riechen, wenn sie nicht duschen können und ihr Besitz an Kleidung sich auf das beschränkt, was sie anhaben. Er sprach kaum deutsch, aber er war freundlich und zugänglich. Ausgeschlagene Zähne und blaue Augen hatte er öfter, weil er von seinen, nunja, Freunden regelmäßig verprügelt wurde. Er bekam fünf Mal ein Zelt, es ist ihm jedesmal geraubt worden. Blaues Auge, ausgeschlagene Zähne.

A. war immer betrunken und fröhlich.

Er war quittegelb, als er zuletzt gesehen wurde, kam ins Krankenhaus wurde operiert und war dann verschwunden. Seine, nunja, Freunde sagten er sei tot. Seine Schwestern kamen aus Polen, vier blonde Frauen, die, äh, sehr polnisch aussahen. Sorgenvolle, ratlose Gesichter. Krankenhäuser anrufen, Psychiatrien anrufen. Er ist weg. Unauffindbar. An seinen üblichen Schlafplätzen, seinen Pfaden, ist er nicht. Auch nicht als Leiche. Die Polizei ist für den Fall eines verschwundenen obdachlosen Polen zur Zeit nicht übermäßig leicht zu interessieren.

Bis vor einer Woche war ich sicher, dass er tot ist. Das bin ich jetzt nicht mehr.

Er scheint noch eine Schwester in Deutschland zu haben. Er ist offenbar im letzten Jahr mehr als zehn Mal operiert worden. Er scheint ein Kind zu haben. Man findet die seltsamsten Sachen heraus.

Aber A. bleibt verschwunden.

Seit ca. einem Jahr habe ich Kontakt zu einigen Obdachlosen. Warum das so ist, ist eine Geschichte, die ich vielleicht ein andermal erzähle. Sie hat mit Äthiopien zu tun.
Jedenfalls sind das extreme Menschen, die unter extremen Bedingungen extremes leisten, um am Leben zu bleiben. Da sind, sagenwirmal, sehr bunte Lebensläufe.

Vielleicht weiß ich bald mehr.

2011-10-29

Hackfesse, alte.

Haha.Da kann ich wahrscheinlich. Hihi. Hehe. Höhö. Die Pause war lang. Und gut. Nu is sie vorbei.

2011-06-03

Pause.

Ich muss mal ne Weile Pause machen.

Sonst werde ich seltsam. Und das möchte ich nicht.

Bis denne.

2011-05-31

Das geht schon in Ordnung.

Ich muss mal was erklären. Ich entwickle mich derzeit zu einer Art freiwilligen Isolationshäftling. Jedenfalls fallen mir echte Sozialkontakte mit reden, zuhören und angucken zunehmend schwerer. Weiß auch nicht wieso.

Es gibt Ausnahmen dazu (beruflich und gemeindlich, sozusagen) aber auch nicht so richtig.

Wenn ich meine Wohnungstür aufschließe, hineingehe, Stille vorfinde und die Tür wieder zumache, dann ist das ein Gefühl, als wäre ich hundert Meter getaucht, und kann jetzt wieder Atem holen.

Das ist nicht schlimm, sage ich mir. Das geht schon in Ordnung.


Ich glaub mir aber nicht.

Das geht vorbei.



Ach übrigens, ab August muss ich sehr viel mehr arbeiten, da komme ich dann auch mehr zum schreiben hier.

2011-05-13

Gesprächsangebot.

Ich habe mein Handy stumm gemacht. Schon lange. Wenn jemand was von mir will, zittert es nur noch.

Ich weiß, dass das asozial ist und es liegen auch ziemlich viele Beschwerden vor, aber wirklich und in echt: es geht nicht anders.

Das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen, sondern dies.

Meine erste Freundin. Die war etwas seltsam. Wunderschön, wie ich finde und sehr empfindlich und sensibel.

Wir waren sehr gut darin, uns gegenseitig verrückt zu machen, in kleistschen Delirien zu versanden.

Endlos.

Es war noch sehr viel unausgespülte Pubertät in uns beiden. Es war einfach zu früh.

Eine Eigenschaft, die ich nie vergessen werde, war, dass sie fast immer wusste, was ich machte. Wir telefonierten fast täglich, und sie entschuldigte sich meist dafür, mich bei xy zu stören. Man gewöhnte sich daran.

Wir trennten uns, ich verlor sie aus den Augen. Vor einigen Wochen sprach ich mit einem Freund über sie und fragte in alten gemeinsamen Bekanntschaften herum was wohl aus ihr geworden sei. Ich hab im Internet nach ihr gesucht und nichts gefunden. Tatsächlich nichts.

Vor einigen Tagen rief mich jemand an und ich sah eine mir nicht bekannte Nummer und ich nahm das Gesprächsangebot an obwohl ich das sonst nie mache.

Es war meine erste Freundin.

Sie heiratete, bekam zwei Kinder und wurde dann seltsam.

Sie wurde geschieden und arbeitet jetzt in einem Beruf, den es in Deutschland eigentlich nicht mehr gibt, in einer Stadt, die eigentlich nicht da ist.

Die Stimme. Genau so tastend. Langsamer als früher. Ich bin auch langsamer als früher. Ohne Medikamente.

Sie hatte zum gleichen Zeitpunkt wie ich nach mir gefahndet. Allerdings ohne Internet.

Sie hat kein Internet.

Und was mach ich jetzt damit?

HM??

WAS MACH ICH JETZT DAMIT????



Ich glaube, ich wäre ganz dankbar, wenn das niemand kommentieren würde.


Was natürlich Quatsch ist. Ich hab den Kram ja jetzt geschrieben. Ist halt das übliche Durcheinander.


Oh well.

2011-04-14

Lernen.

Was ich gelernt habe. Wenn man aufgrund von Biografischen Ereignissen konsequent sein zu müssen meint und grundsätzliche Entscheidungen trifft, dann kann man nicht erwarten, dass die zukünftige Biografie (also ich, dann) sich daran halten wird.

Denn wenn der Geist schlussfolgert, tut dies das Herz noch lange nicht. Und es ist fieserweise ja nicht so, dass das Herz immer einfach das Gegenteil will. Neinnein. Es wird einfach Nebel geworfen. Empörenderweise.

Und DAS, lässt einen dann, im Nebel stehend, überlegen. Watnu?

Jetzt kommts.

Nix. Einfach nix. Ehrlich zu bleiben versuchen versuchen. Zu allen, Gott und der Welt, sozusagen. Also auch zu sich selber. Versucht das mal! Gar nicht so leicht, finde ich.

Darin scheitern und nicht mehr so dolle scheitern. Repeat. Und dann mal wieder so richtig dolle scheitern. Repeatrepeat.


"Denn am Steuer seines Lebens, lenkt man doch meist vergebens"
(Andreas Dorau, Song "So ist das nun mal")

2011-04-12

Aus Gründen.



via @mrrttm

2011-04-08

Mussini.

Ich hatte einfach Lust, mal wieder mit Öl zu malen. Nach Jahren.

Ein Schutztuch hängt über einem alten Bild, das so halbverpackt an meinen Kunstbüchern lehnt. Weißes Regal, fast nur weiße Bücher, ein rotes, ein blaues. Weißes Schutztuch, zerknittert.


Und dann verliert man sich VOLLSTÄNDIG in einer Orgie von Weißschattierungen und hört kein Telefon und kommt fast zu spät zu allem.

Und das Bild, das Bild ist einfach grundscheiße geworden.

Ich hab lange nicht mehr so viel Spaß gehabt.



Mach ich morgen wieder.

2011-04-04

Urteil.

Urteilen ist eine Interaktion. Ich beurteile, ich werde beurteilt. Das ist so. Die Frage ist, gefällt mir das, möchte ich urteilen, möchte ich beurteilt werden. "Niemands Knecht und niemands Herr" war lange ein Kernsatz meines Regelwerks, nach dem ich mich sozial bewegt habe.

Dieser Satz ist eine Täuschung. Das geht nicht. Das ist ein Machtlos-Ideal, eine anarchistische Fata Morgana. Denn das ist Nicht-Beziehung. Beziehung ist u.a. das hin- und herfliessen von Aufmerksamkeit. Das ist notwendig ein oszillierendes Machtverhältnis. Alleine schon die Entscheidung, Aufmerksamkeit auf jemanden zu richten ist ein Akt von Machtausübung.

Wenn man sich nun wiederfindet in einem Machtgefüge, dass durch Aufmerksamkeitsmechanismen regiert wird, dann stellt sich unbedingt die Frage nach der Gut- bzw. Böswilligkeit der Aufmerksamkeit. Und das hängt davon ab, ob ich das Objekt der Aufmerksamkeit für meine Zwecke brauche, es also letztendlich um mich geht, oder ob ich es schaffe, von einer "Selbstzentriertheit" zu einer tatsächlichen "Anderenzentriertheit" zu gelangen. Denn bleibe ich selbstzentriert, dann opfere ich das Objekt meiner Aufmerksamkeit im Notfall, und mein Profit geht über die Wahrheit, die ich in dem Anderen sehen kann.

"Anderenzentriertheit" (hiermit entschuldige ich mich ausdrücklich für die Hässlichkeit dieses Wortmonsters) ist der Kernmechanismus von Liebe, davon bin ich absolut überzeugt.

Darin ist es möglich, Wahrheit zu sein ohne kalt und gleichgültig zu sein.

In fact, Wahrheit ohne Liebe ist nicht wirklich Wahrheit sondern stolze Rechthaberei.
Und Liebe ohne Wahrheit ist nicht wirklich Liebe, sondern sentimentale Eitelkeit.

An der Stelle wird deutlich, das Liebe immer Macht und Machtlosigkeit ist. Sein muss.

Und Gleichgültigkeit ist sozialer Tod.


Und das ist alles schön und gut, aber trotzdem muss ich Leute beurteilen und es fühlt sich OBERSCHEISSE an.

Work in progress.



Nevermind.