Es gäbe grade viel zu zürnen. Über die mittelgroße Politik unserer lieben Familienministerin hier in Deutschland. Über diverse private große und kleine Angelegenheiten. Aber ich habe meinen Zorn abgegeben. Das bearbeitet jetzt jemand anders.
Deshalb möchte ich auf ein wichtiges Thema zu sprechen kommen. Sehr wichtig. Und meiner eigenen Weltfremdheit keinen Schrecken einjagend sondern beruhigend auf sie einflüsternd.
Es treibt mich schon eine ganze Weile die Frage herum, wo Kunst stattfindet. Da ich mich selber der Zeichnung und der Malerei mich verpflichtet fühle und in diesen Techniken schon eine lange Weile versucht wird Kunst zu produzieren, so lange, dass nicht wenige Leute, denen ich professionell begegne, ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass nur in diesen Techniken (und Skulptur) überhaupt Kunst stattfände (ermüdend, das); da ich mich also diesen Disziplinen verpflichtet fühle, treiben mich medientheoretische Fragen, insbesondere das Internet betreffend, durchaus um.
Es ist nämlich wie mit den Kühen für Stadtkinder: Wieviel an Kunst nehmen wir "direkt" wahr? Und vorher: Was ist "direkt".
Ich komm getz ma mit Malerei.
Noch in den späten 80er Jahren des letzten Jahrtausends war es fast unbezahlbar, farbige Abbildungen von Kunstwerken (Malereien in dem Fall) zu publizieren. Kataloge gabs nur für Großereignisse wie die Documenta, und da auch nicht durchgängig, nur wenige Abbildungen waren aus Kostengründen farbig. Und eigentlich waren die nicht farbig, sondern bunt...
Nicht so heute. PDF zu BookStation oder Lulu oder irgendeine andere online-Buchdruckerei, und man bekommt ein anständiges Werksverzeichnis/Katalog/Kunstbuch zurück. Kost zwar was Geld, aber ist bezahlbar.
Webseiten gibt es seit den 90ern. Flickr, picasa, photobucket, etc seit ca 2000. Weblogs, Socialnetworks, Foren, Communitiy unwattnichall gibt es erst seit ein paar Jahren.
Sie alle haben einen Effekt. Man schaut Photos oder Scans von Sachen an, die als Kunst gemeint sind. Diese Photos und Scans sind nicht als Kunst gemeint. Oder doch? Oder wie?
Unterm Strich ist es etwa so häufig, dass man eine reale Kuh sieht, wie man ein reales Gemälde sieht.
Die gesamte Kunsttheorie/Medientheorie/Interpretationsindustrie bezieht sich auf und rechtfertigt sich mit REPRODUKTIONEN von Kunst-gemeinten Dingen. Aber nicht den Dingen selber. Ein minimaler Prozentsatz Leute, die über Vermeer reden, haben die Bilder gesehen und Diskutieren etwa über sie vor Ort. Geht ja auch gar nicht. Da hats die Literatur oder Musik leichter, sie ist ortsunabhängig wahrnehmbar. Man muss nur lesen oder hören. Kunst hat immer einen Ort und kann eigentlich original nur dort wahrgenommen werden und sonst nicht.
Oder doch? Ist es nicht so, dass sich die Kunst und die Diskussion über Kunst sich soweit virtualisiert hat, das der reale Kunstgegenstand nurmehr eine (ok, notwendige) Vorraussetzung, ein Anstoß ist? Etwa so wie ein Filmset für die Filmproduktion notwendig ist, aber nicht etwa als Installationskunst gemeint und wahrgenommen wird.
Ich sehe so viel hypergeniales Zeug im Internet. Genau. Eben. Im Internet. Kaum etwas davon habe ich jemals offline gesehen. Und, hahaha, auch da meist nur als Print-Katalog.
Das Original wird also irrelevant. Oder doch nicht?
Die entscheidende Frage ist: Wo, an welcher Wahrnehmungsstufe konstituiert sich in der Betrachterwahrnehmung das Kunsterleben? Wenn ich das JPG auf der Internetseite auf meinem (nicht farbkalibrierten) Monitor sehe? Im Katalog? Das Bild beim Atelierbesuch? Beim auspacken des Pakets/Briefumschlags? An der Wohnzimmerwand? Im Museum/Kunstverein/in der Galerie?
Das ist insbesondere dann eine entscheidende Frage, wenn man mit dieser Problematik künstlerisch arbeiten will, d.h. nicht die Malerei auf der Leinwand, sondern die Tatsache, das ein JPG-Photo dieses Gemäldes im Internet auf einer Homepage oder (und das ist etwas anderes!!) auf flickr oder in einem Themenforum existiert, soll das kunststiftende Moment sein.
Zumal die reproduzierte Wirklichkeit in Form von Filmen und Photos derart überhand genommen hat, dass man an der Reproduktion als GROSSER Bestandteil der Alltagswahrnehmung überhaupt nicht vorbeigehen kann. Denn ma ehrlich: Wieviel reale Dinge außerhalb von Urlaubssituationen nimmt man wirklich ästhetisch (und damit potenziell als Kunst) wahr? Also nix Fernsehen, Zeitung, Bildbände etc. ? Na?? Nich soo viel, oder?
Im Barock gab es noch den Gegensatz von Naturschönheit und Kunstschönheit. Wir kennen Naturschönheit nur noch im Urlaubsfoto, aber nicht als Alltagserfahrung. Mit einer Außnahme: Street Art, die das urbane reale Leben zum ästhetischen Gegenstand hat. Prompt schaut man sich Häuserwände als ästhetisches, kunstfähiges Phänomen an. So wie "het straatje" von Vermeer...
Und darauf kommt man nur, weil man im Internet Seiten findet, die einem das nahelegen.
So kommt man zu einer extrem verwirrenden Gemengelage, in der einem dann allmählich klar wird, dass sich IM BETRACHTER aus der Mixtur der Verschiedenen reproduzierten Informationen plus eventuellem Realerleben ein Gesamtbild ergibt, dass dann für Kunst (gute oder schlechte) gehalten wird oder nicht. Und Online und Offline spielen sich dabei die Bälle zu, das man nicht weiß wo und wie man dazwischengrätschen soll.
Es ist vielleicht vergleichbar mit dem erleben von Musik, erst im Radio oder Fernsehen oder Myspace, last.fm oder wasauchimmer, dann irgendwann Livekonzert und dann weiß man, ob das nu gut ist oder nicht, und leider funktioniert der Vergleich überhaupt nicht. Denn Musik ist (auch) ein Sozialphänomen, Musik und Literatur nur bedingt, zu Marketingzwecken, aber nicht einfach so aus sich heraus. Mit Kunst als Sozialphänomen fang ich jetzt hier nicht mehr an, weil ich dazu keine Lust habe.
So und was heißt das nun für die gemeine Hausfrau?
Bitte immer selber gucken. Bitte immer so vielfältig wie möglich (oder nötig, je nach Interesse) gucken.
Überhaupt gucken.
2009-06-30
Wo denn nun!
2009-06-26
Rundgang der HBK Braunschweig.
In dem Cubus rechts (der Mexikopavillon aus der Expo Hannover, von Gerhard Schröder recycelt) ist die Bibliothek. Das ist nicht die Bibliothek. Darin ist die Bibliothek, in einem kleineren Gebäude im Gebäude.
Der Haupteingang. Man beachte das weiße Schild rechts:
Die Standortkommandantin.
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gerdbrunzema
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14:00
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Labels: hochschule, kunst
2009-06-20
Schweres Kreuz, allein zu tragen.
Neulich hab ich mal was über afrikanische Frauen geschrieben. Das ist jetzt vermutlich keine Afrikanerin. Aber das ist trotzdem das, was ich meinte:
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Edith: Was ist das Weblog von Frau Gröner wunderbar. Was ist das Weblog von Frau Gröner wunderbar. Was ist das Weblog von Frau Gröner wunderbar.
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gerdbrunzema
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2009-06-18
China, Iran, Deutschland.
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Schande. Schande. Schande.
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gerdbrunzema
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11:15
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Labels: politik
2009-06-13
Long lost penpal.
Das ist eine Geschichte, die mich umhaute, damals, in schlimmen Tagen, wie weniges, das ich durch Popmusik übermittelt bekommen habe.
Und das ist immernoch so.
Ich meine, dieses wundervolle Lied von "Hello Saferide" schon mal auf diesem Weblog verlinkt zu haben. Ich finds aber nicht wieder.
Ich bin im übrigen im Moment offensichtlich leicht umzuhauen.
Da ist so viel unglaublich gutes Zeug in meinem Internet.
Ich hoffe, in eurem auch.
Hello long lost friend.
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gerdbrunzema
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2009-06-10
Sachen machen.
Wenn man sich mal überlegt, wie viele Sachen man machen muss, um die Sachen, die man machen will machen zu können, um dann einen Haufen Sachen zu machen, um die Sachen die man EIGENTLICH machen will NICHT zu machen, dann merkt man, dass da irgendwo ein Fehler drin ist.
Und dann sind ein paar Ehrlichkeiten fällig. Und dann sind ein paar Entscheidungen fällig.
Und dann ist schon wieder Miete fällig.
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gerdbrunzema
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09:48
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2009-06-08
Ron Trent.
Das Bedürfnis nach Besinnungslosigkeit, formerly known as Ekstase, ist gedrosselt durch Verstand und andere Spaßbremsen in unterschiedlich stark ausgeprägter Form, denke ich, in jedem vorhanden.
Und bevor man sich da auf Inhalte aus trüben Quellen einlässt oder man nicht weiß, was gute Quellen sind, dann doch lieber was sinnloses zum Nichtdenken.
Moth/Wolf Cub
via
Ron Trent.
via
Ähm. Mit trübe Quelle meinte ich nicht die Via-Verlinkungen. Ich meinte das eher ideen- und ideologietechnisch.
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gerdbrunzema
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09:53
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Labels: musik
2009-06-07
Jugendherberge.
Meine Kleine: "Ich war schon mal in der Jugendherberge, und das war gar nicht in Hamburg."
Ich: "Wo war das denn?"
Meine Kleine: "In der nähe von Kühen."
Sie meint vermutlich die Ferien auf dem Bauernhof letztes Jahr. Da "musste" man auch mithelfen...
Irgendwie hat sie ein wunderliches Verhältnis zu Raum.
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gerdbrunzema
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10:43
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Labels: Kleine
2009-06-06
2009-06-05
Puzzled.
Frau. Gitarre. Reicht. Alle anderen geht bitte mal weg oder seid leise.
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gerdbrunzema
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Labels: musik, unglaublich
2009-06-04
All time favorite.
Wochenende. Acht Uhr morgens, mitten in der Nacht. Meine Kleine und meine Mittlere singbrüllen "DIE GEDANKEN SIHIND FREI!!!", einer ihrer all-time-favorits.
Meine Kleine so: "'Kein Jäger erschießen' find ich am coolsten."
Meine Mittlere so: "Ich 'Die Gedanken sind frei'."
Jeder hat halt so seine Ängste.
Edith: Superschöne Version
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gerdbrunzema
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2009-06-02
Hamburg.
Ich bin ein Bewohner Hamburgs. Ich liebe diese Stadt, seit ich in ihr lebe. Und eines der Dinge, die ich an dieser Stadt liebe, will ich jetzt mal erzählen.
Ich fahre recht viel Bus in dieser Stadt. Und da sind viele Menschen. Saubere Menschen, dreckige Menschen. Betrunkene Menschen, nüchterne Hamburger. Anzüge und Jogginghosen. Miniröcke und Kopftücher. Kaffeefarbene und rosafarbene Menschen. Und vieles andere mehr.
Die haben sich sicherlich nicht alle lieb. Aber, wenn ein Penner lallend bittet, aus dem Weg zu gehen, dann antwortet der Anzug "Büddesehr". Und wenn einer laut wird im Bus, das sagt irgendwann einer "So, lass mal jetz, is gut." Bei der nächsten Station sagt dann der Busfahrer, das er "möchte, dass der etwas aufgeregte Herr bitte meinen Bus verlässt". Und wenn eine offenbar lesbische Frau einer guten Freundin lautstark am Handy erklärt, wie ihre Geliebte ihre Orgasmusprobleme "in den Griff bekommen hat", dann sieht man eine Menge angestrengt aus dem Fenster blickende Gesichter, einige kämpfen mit dem Lachen, einige fremdschämen sich in Grund und Boden.
Die berühmte Hamburger Arroganz, die ich so befürchtet hatte, als ich hierher zog, sie hat sich mir gegenüber bisher fast ausschließlich als ein starkes Bemühen um Toleranz, höflicher Hilfsbereitschaft, respektvoller Distanz und einem staubtrockenen Humor formuliert.
Aber das ist alles nicht das, was ich sagen will. Denn hier in Hamburg wird offensichtlich die ganze Welt zusammengehalten.
Es sind die großen dicken afrikanischen Frauen. Wer die schon mal hat reden hören auf "Englisch", "Französisch" oder deren jeweiliger afrikanischer Sprache, der weiß was ich meine.
Eine von ihnen steht im Bus. Sie hat einen Kinderwagen mit einem kleinen schlafenden Jungen bei sich. Aber man sieht ihn kaum. Sie ist umwickelt mit einem Kleid, das so bunt ist, dass sich die Pupillen verkrampfen, wenn man länger darauf schaut. Textiltechno, quasi. Auf ihren gebändigten Kringelhaaren thront eine Turbanartige Skulptur an der irgendwas Glitzerndes hängt.
Der Bus hält, und eine weitere große dicke afrikanische Frau betritt die Bühne. Sie begrüßt die Mutter von vorhin mit einer LAUTEN Altstimme. Eine laaange Begrüßung, die offensichtlich eine detaillierte Beschreibung ihres Kleides und eine Begutachtung des Sohnemanns einschließt. Dann werden ERSTAUNTE Fragen gestellt, dem Fluss Antwort wird mit Freude, Trauer oder Wut im Gesicht, in den Händen, Beinen, Körper gefolgt. Es erzählen beide zugleich, die eine mit ihrer Altstimme, die andere mit ihrem Gesicht, mit ihrer geraden elastischen Körperhaltung, ihren empörten, freudigen, wütenden, lachenden Händen. Es sieht aus wie ein Tanz mit Herzen, Mund und Händen. Der Junge wacht auf und jammert. Er wird einfach lustig gelacht. Wie das funktioniert hab ich leider nicht verstanden.
Die Grand Dame mit Kind muss an dieser Haltestelle die Bühne verlassen. Der Bus senkt sich, das Tor geht auf, eine afrikanische Frau mit Kind verlässt den Bus. Was nicht bedeutet, das die Konversation abrupt endet. Erst als sich der Bus wieder hebt (ein dezentes Signal der Regie, die Szene zu beenden) trennen sich die Beiden.
Die im Bus verbliebene Afrikanerin lächelt, holt ihr Handy raus, und singt die nächsten zehn Minuten das Erlebte da rein. Dann trennen sich auch sie und der Bus.
Diese afrikanischen Frauen halten ganz sicher die Welt im innersten zusammen.
Und das ist eines der Dinge, die ich an dieser Stadt liebe.
Weiter mit Musik von Jungs, die sicher solche Mamas hatten:
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gerdbrunzema
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Labels: Hamburg, unglaublich
